Soziale Netzwerke

Twitter, oder auch “Tod der Blogosphäre”

Neben Stars, Politikern und anderen Persönlichkeiten der allgemeinen Öffentlichkeit nutzt in Deutschland nun auch immer öfter der Otto Normalverbraucher den Microbloggingdienst Twitter um die Welt über aktuelle Situationen des eigenen Lebens auf dem Laufenden zu halten. Primär wird der Dienst jedoch von Webdesignern, SEOs und Bloggern verwendet, die über Twitter ständig aktuelle und interessante Webinhalte posten. Doch wie gefährlich ist diese Inflation der Blogosphäre durch den Microbloggingdienst wirklich? Haben Weblogs überhaupt noch eine Zukunft?

Kommentare, Trackbacks und Co?

Ein Blog lebt von Kommentaren und Reaktionen auf die geschriebenen Artikel, denn nur diese signalisieren dem Betreiber ein öffentliches Interesse. Ehe Twitter die Blogosphäre heim gesucht hat, lag die Anzahl von Kommentaren um ein deutliches höher. Solche Zahlen gehören heute eher der Seltenheit an, da der Artikel, sofern er gefällt, einfach getwittert wird. Ähnlich sieht es auch mit Trackbacks aus. Ein Retweet ist komfortabler als ein extra Post im eigenen Blog um auf einen interessanten Artikel aufmerksam zu machen.

Gestern habe ich sogar erlebt, dass man über meinen Artikel bei Twitter geschrieben hat, anstatt einen Kommentar im Blog zu hinterlassen. Für die eigene Werbung des Blogs, scheint Twitter also eine gute Plattform zu sein. Doch was Hilft alle Bekanntheit, wenn jegliche Konversation auf dem Blog aus bleibt?

Wer braucht eigentlich einen RSS-Feed?

Wenn in der Vergangenheit ein Blog gefallen hat, legte man sich ein RSS-Lesezeichen in seinen Browser oder einen anderen RSS-Reader. Nach der Inflation der Blogosphäre wird heute in erster Linie dem Twitteraccount des Bloggers gefolgt um so über seine Beiträge auf dem Laufenden zu bleiben. Denn dieser wird garantiert versuchen seine Beiträge über die Plattform zu publizieren.

Früher konnte man also über einen Feed-Counter wie Feedburner alle regelmäßigen Leser des Blogs erfassen und so der Öffentlichkeit eindrucksvoll den Stellenwert der Seite demonstrieren. In 2010 entspricht diese Zahl nicht mehr der Realität, da eine Reihe von regelmäßigen Lesern über Twitter auf den Blog findet.

Ist Twittern sinnvoller als Bloggen?

Meiner Empfindung nach, gehen in den letzten Monaten immer mehr gute Ideen für interessante Blogposts in der Timeline von Twitter verloren. 140 Zeichen reichen in der Regel nicht für eine ausführliche Beschreibung eines interessanten Weblinks aus. Daraus folgt eine minderwertige Darstellung des Miniblogposts. Im eigenen Blog werden auf Grund fehlender Motivation später nur 5% aller Tweets nochmal aufgearbeitet.

mariofischer twitter

Mariofischer twittert super Blog-Grundlage

In erster Linie bestimmen deshalb Tutorials und themenspezifische hoch relevante Artikel die Blogosphäre. Diese erfreuen sich gegebenenfalls auch viele Retweets, sind aber nach kurzer Zeit auch wieder aus dem Fokus des Nutzers verschwunden und liegen somit brach im Blog herum.

Wann der eigene Blog und wann Twitter in Anspruch genommen werden sollte, liegt also am Umfang der geplanten Meldung. Natürlich gibt es Beiträge, die nicht unnötig in die Breite gezogen werden sollten und deshalb auf 140 Zeichen besser aufgehoben sind. Dazu gehören zum Beispiel schnelle News-Meldungen, die sich so schneller verbreiten können, als wenn erst hunderte Blogs darüber berichten würden. In diesen Fällen halte ich die alleinige Nutzung von Twitter für gerechtfertigt.

Wie verändern sich Weblogs in Zukunft?

Im Ursprung waren Blogs kleine Linksammlungen, die durch eine Kommentarfunktion die Möglichkeit der Konversation boten. Die Artikel rund um diese publizierten Links wurden mit der Zeit immer umfangreicher und später auch häufig mit anderen Blogs verlinkt. So entstand das sogenannte Trackbacking.

Genau nach diesem Verfahren bloggen heute noch 90% der Szene. Man greift ein Thema auf, beschreibt es kurz und verlinkt es dann mit einem umfangreicherem spezifischen Beitrag. Nach Vollendung des Artikels hofft man auf eine rege Diskussion durch die Leser. Woher uns das jetzt bekannt vorkommt? Ja – genau so funktioniert eben auch Twitter.

Wenn die aktuelle Entwicklung anhält und immer mehr herkömmliche Internet-Nutzer mit dem zwitschern beginnen, haben Video-Blogs oder sogenannten Lustige-Links-Blogs schnell das Ende vor Augen, da Videos von Youtube und Co direkt in Twitter verlinkt werden, anstatt diese über einen Videoblog zu verschicken.

Fazit: Twitter überlebt die Weblogs

Irgendwie erinnert mich die ganze Debatte an den Short Message Service (SMS) bei den Mobilfunkanbietern. Früher wurden lange Briefe zur Kommunikation geschrieben, heute passen diese Informationen in 160 Zeichen. So wird sich die Blogosphäre meiner Meinung nach auch entwickeln. Die Nutzer werden lernen sich kurz zu fassen und die Mehrheit aller relevanter Fakten in 140 Zeichen unterzubringen. So werden herkömmliche Blogs wie diese hier immer weiter aussterben. News-Portale und Magazine werden es aber auch in Zukunft schaffen eine Vielzahl an Lesern zu begeistern.

Wie ist eure Meinung dazu?


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